Der Gründer der SDBI – Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie – Prof. h.c. Dr.-Ing. h.c. Klaus Steilmann (1929–2009) war eine Persönlichkeit mit großem Einfluss auf die deutsche Wirtschaft. In Deutschland war er vielen besser bekannt als Präsident des Fußballvereins „SG Wattenscheid 09“. Unter dem Motto „Mode für die Massen, nicht für Millionäre“ wuchs sein 1958 gegründetes Unternehmen schnell und etablierte sich Mitte der 1980er Jahre als größter Modehersteller Europas.
Im Jahr 1991, auf dem Höhepunkt seines Erfolgs, beschäftigte die Steilmann-Gruppe 18.000 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 1,88 Milliarden Deutsche Mark. Klaus Steilmann belieferte große Einzelhandelsketten wie C&A, Peek & Cloppenburg, Karstadt, Kaufhof und Marks & Spencer, verkaufte Mode aber auch unter seinem eigenen Namen. Zudem arbeitete er mit Karl Lagerfeld zusammen. 1999 zog sich Klaus Steilmann von der Position des Unternehmensvorsitzenden zurück. Als die Steilmann-Gruppe 2006 vor der Insolvenz stand, wurde sie von dem italienischen Modesyndikat Radici übernommen.
Eine fordernde Persönlichkeit
Klaus Steilmann war ein Vorbild und ein echter Unternehmer. Seine anspruchsvolle Persönlichkeit beeinflusste nicht nur sein eigenes Unternehmen, sondern wirkte weit darüber hinaus. Er strebte danach, Wirtschaft, Ökologie und soziales Bewusstsein miteinander zu vereinen und unterstützte erstklassige Bildung und Entwicklungsmöglichkeiten.
Klaus Steilmann war überzeugt, dass die Gesellschaft Menschen braucht, die gegen den Strom schwimmen. Sein Credo lautete:
„Die Gesellschaft hat keine Verantwortung für die Menschen, sondern die Menschen sind verantwortlich für ihre Gesellschaft.“
Förderung einer neuen Generation
1978 gründete Klaus Steilmann die Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie (SDBI) mit dem Ziel, benachteiligte und talentierte junge Modedesigner zu fördern. Seitdem hat die SDBI vielen jungen Menschen die Möglichkeit geboten, in dieser anspruchsvollen Branche Fuß zu fassen – einer Branche, die für Klaus Steilmann von großer Bedeutung war.
Seine Arbeit ging jedoch weit über seine ursprünglichen Ziele hinaus und hat bis heute einen nachhaltigen Einfluss auf die Modebranche. Seit 1990 arbeitete er zudem eng mit wissenschaftlichen Einrichtungen zu Themen der Industriepolitik, Ökologie und Wirtschaft zusammen. Er engagierte sich für die Universität Witten-Herdecke und das Center of Entrepreneurship and Management Development der Lomonossow-Universität in Moskau.
Zusätzlich unterstützte er zahlreiche Menschen, die sich direkt an ihn wandten – sogar für ein Masterstudium am Central Saint Martins College of Art and Design in London stellte er Mittel zur Verfügung.
Nachhaltige Mode
Aus persönlicher Überzeugung begann Klaus Steilmann bereits 1989, systemübergreifende und vernetzte Lösungen zu entwickeln, um die Umweltbelastung seiner Unternehmen zu reduzieren. Dazu gehörten die Entwicklung ökologischer Qualitätsstandards, ein Umweltmanagementkonzept, Öko-Audits, weltweite Schulungen für Lieferanten sowie die Verwendung von Materialien wie pestizidfreier Wolle, chlorfreier Viskose und Hanf. Zudem initiierte er die „Fun in the Sun“-Kollektion mit nachgewiesenem UV-Schutz sowie die umweltfreundliche Kollektion „Britta Steilmann – It’s one world“ und weitere nachhaltige Modeprojekte.
Erneut war es Klaus Steilmanns Ziel, nicht umweltfreundliche Kleidung für Millionäre herzustellen, sondern gesunde und nachhaltige Mode für die breite Masse zugänglich zu machen. Darüber hinaus stiftete er den Lehrstuhl für Umweltpolitik an der Privaten Universität Witten-Herdecke und gründete 1991 das Klaus Steilmann Institut für Innovation und Umwelt.
Zahlreiche Studien, beispielsweise zu biologisch abbaubarer Kleidung, sowie Forschungsprojekte wie „Von der Ökonische zum ökologischen Massenmarkt – Ecological Mass Textiles“ (mit Fokus auf die Entwicklung ökologisch optimierten Polyesters), wurden durchgeführt. Darüber hinaus nutzte er seinen Einfluss als Präsident der European Largest Textile and Apparel Companies (ELTAC) und später von EURATEX (The European Apparel and Textile Organisation), um Umweltstandards weiterzuentwickeln und durchzusetzen.Damit zählt Klaus Steilmann – gemeinsam mit Heinz Hess (Hess Natur) und Dr. Michael Otto (Otto Group) – zu den einflussreichsten Pionieren unseres Landes, die sich für eine nachhaltige Wirtschaft und die notwendigen globalen Grundlagen eingesetzt haben.
Klaus Steilmann erhielt zahlreiche Auszeichnungen in Anerkennung seiner Arbeit:
- 1977 Modepreis der Stadt München
- 1984 Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
- 1992 Aufnahme in den Club of Rome
- 1993 Ehrendoktorwürde der Universität Witten-Herdecke
- 1994 Ehrenpreisträger des Deutschen Kulturpreises
- 1999 Deutscher Umweltpreis
Klaus Steilmann – Gewinner des Modepreises 1977
Stadt München – Der Direktor der Münchner Modewoche, Alfred Wurm, stellte den Gewinner des Modepreises 1977, Klaus Steilmann, der Presse als Prototyp eines modernen Unternehmers vor. Er habe internationale, wegweisende Maßstäbe für die Bekleidungsindustrie gesetzt und erfolgreich Mode für Verbraucher mit bescheidenem Einkommen produziert.
Laut Oberbürgermeister Gittel war die soziale Komponente in Steilmanns Geschäftskonzept der ausschlaggebende Faktor für die Verleihung des Preises, der zum zehnten Mal von der Stadt München vergeben wurde. Der Münchner Stadtrat, der als Auswahlkomitee fungierte, votierte einstimmig für Steilmann. Auch der Textileinzelhandel schloss sich dieser Entscheidung an.
Otto Büchler, Präsident des Verbandes, kommentierte:
“Klaus Steilmann hat dem Einzelhandel stets neue Impulse geliefert und durch seinen schnellen Modeinstinkt frische Ideen eingebracht.”
Diese Auszeichnung stellte für Klaus Steilmann eine besondere Vollendung dar, da sein erster großer Durchbruch viele Jahre zuvor ebenfalls in München erfolgt war.
In einem Interview erklärte er, dass er nie das Ziel hatte, Modetrends zu initiieren, sondern vielmehr die Wünsche der Verbraucher zu berücksichtigen. Seine sieben Unternehmen und 23 Produktionsstätten arbeiteten daran, ein einheitliches Konzept zu verfolgen, während sie gleichzeitig eine vielfältige Produktpalette anboten.
Durch die enge Einbindung seiner Führungskräfte und deren überdurchschnittlichen Einsatz gelang es ihm, ein motiviertes Team zu formen, das marktgerechte Kollektionen entwickelte. Bereits 1961 begann er, 25 % der Unternehmensgewinne mit seinen kaufmännischen Mitarbeitern zu teilen – die Höhe der Gewinnbeteiligung wurde dabei nach persönlicher Leistung und Anwesenheit bestimmt.
Die Vergabe von Aufträgen in Niedriglohnländern spielte in Steilmanns Geschäftsmodell nur eine begrenzte Rolle. Diese wurden lediglich zur Ergänzung der Produktpalette im unteren Preissegment genutzt und machten etwa 10 % des Gesamtumsatzes aus. Lieferanten in Entwicklungsländern wurden nur berücksichtigt, wenn soziale und ökologische Standards gewährleistet waren („Safe Fashions“).
Für das Jahr 1977 erwartete Klaus Steilmann einen Gesamtumsatz von 380 Millionen Deutsche Mark und eine Preiserhöhung von etwa 4 %. Er war überzeugt, dass seine Produktionsstätten bis Ende November ausgelastet sein würden. Nach einer Investition von 5 Millionen Deutsche Mark im Vorjahr plante er für 1977 Investitionen in Höhe von rund 4 Millionen Deutsche Mark.
Source: TextilWirtschaft, April 14, 1977
Publication authorized by Deutscher Fachverlag
Leave a Reply