Marcel Lunkwitz, Julia Müller
„Where the clouds are like headlines“
1. Preis Studierende – European Fashion Award – FASH 2009 der Stiftung der Deutschen BekleidungsindustrieFlughafen oder Festival, Routine oder Freiheit, Bekleidung oder Mode?
Marcel Lunkwitz und Julia Müller haben recherchiert und sich
entschieden. Für Beides. Für eine hybride Mode. Denn sie
haben ein neues Männerbild erforscht: Aufgeschlossen, innovativ,
emotional und männlich. Männer, die ihre Persönlichkeit
mit Mode ausdrücken wollen, doch von der Vielfalt des Angebots
überfordert sind. Männer, die Angst haben sie könnten
sich verkleiden, sich lächerlich
machen, als unmännlich gelten.
Die Kollektion ist edel und jugendlich, spielerisch und bestimmt,
kraftvoll und sensibel, innovativ und bodenständig, farbenfroh
aber nicht bunt. Fast alle Materialien wurden veredelt, u.a. durch
Siebdruck, Spachteln, Crashen, Raffen oder Besticken. Die weichen,
fließenden Linien der elf Outfits leiten sich vom klassischen
Frack ab. Jeder Look ist ein eigenständiger Charakter. Sie lassen
sich zu neuen Typen eines freien, poetischen Lebensgefühls
kombinieren.
JurybegründungMarcel Lunkwitz und Julia Müller haben in ihrem Entwurf viel
riskiert. Schon dies ist hoch zu loben. Die Recherche zeugt von
Neugier, Entdeckungsfreude und einem eigenen Blick. Dies führte zu
einer überzeugenden Interpretation eines neuen Männerbildes.
Die spielerische Kollektion mit ihren reizvollen Kontrasten wurde
konsistent in hoher Qualität umgesetzt. Der Transfer vom Schnitt
des Fracks zur Streetwear ist nicht nur gewagt, sondern auch
überzeugend gelungen.
Styling, Farbkonzept, Dessinierung, Stoffauswahl und -veredlung sind
innovativ und beeindrucken ebenso durch ihre Professionalität wie
der Strick. Eine erstaunlich reife Leistung in Konzept und Realisation!
Jurymitglied Wolfgang König, Einkaufsleiter Loden-Frey Ausbildung
6. Semester, Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle
Prof. Thomas Greis, Prof. Joachim Schielicke
Preis 2.000 Euro
Stoffgutschein im Wert von 2.000 Euro vom Textilverband Schweiz
Kontakt
info@cloudsacrossheadlines.comwww.cloudsacrossheadlines.comIlona Zaytseva
„Hoolifans – New Diversity of being a man“
2. Preis Studierende – European Fashion Award – FASH 2009 der Stiftung der Deutschen BekleidungsindustrieIlona Zaytseva fragt nach den kollektiven Leitbildern des modernen
Mannes. Doch statt auf die Rolle vom sorgenden Vater, konzentriert sich
der Entwurf auf die Kultur und Philosophie von Hooligans mit ihrem Hang
zur Gewalt. Es sind Männer, die unter der Woche ein
gesellschaftlich integriertes Leben führen und am Wochenende ihre
wilde Seite ausleben. Männer zwischen 14 und 40 Jahren, die eher
unauffällige aber prestigeträchtige Markenkleidung tragen. So
sind sie
unsichtbar für die Polizei, aber für andere Hooligans sofort
erkennbar. In der Kollektion „Hoolifans – New Diversity of
being a man“ wird dies durch durchsichtige und undurchsichtige
Stoffe ausgedrückt. Die Farben reichen von schwarz (Bedrohung)
über grau (unsichtbar) bis zu Akzentfarben. Durch Härten und
Besprühen wurden die Stoffe aggressiver. Steine und Schleuder
werden als Accessoires eingesetzt. Die Kollektion umfasst auch
Entwürfe für Frauen, um auf ihre Rolle in dieser Subkultur
hinzuweisen.
JurybegründungIlona Zaytseva hat ihr Thema „Hoolifans“ mutig
gewählt. Die hochwertige und eigenständige Umsetzung ins
Design begeistert. Die anspruchsvolle Realisierung ist tadellos, die
Details präzise auf den Punkt gebracht. Auch die sehr
professionelle Präsentation von spitzem Designkonzept und
kommerzieller Umsetzung zeugt von einer begabten Designerin. Entstanden
sind Kleider die sofort in den Verkauf gehen können. Ilona
Zaytseva, die schon 2008 zu den Preisträgern des European Fashion
Awards zählte, hat sich deutlich weiterentwickelt. Jurymitglied
Marcel Herrig, Unicut Design Office
Ausbildung
8. Semester, Hochschule Pforzheim, Prof. Johann Stockhammer
Preis 1.500 Euro
Stoffgutschein im Wert von 1.000 Euro vom Textilverband Schweiz
Kontakt
ilona.zaytseva@gmail.com
Marianne Musek
„Der Weg zum Glück“
1. Preis Abschlussarbeiten – European Fashion Award – FASH 2009 der Stiftung der Deutschen BekleidungsindustrieFortuna und Felicitas – ist Glück ein Zustand, den wir
dauerhaft erreichen können? Gibt es ein Recht auf Glück oder
ist es ein Privileg, das lediglich in kurzen Abschnitten des Lebens zu
Teil wird? Bringen Geld oder eine erfüllende Tätigkeit
Glück? Wohin führt die Suche nach dem Glück? Die Methode
des Pilgerns diente der Reflektion der Frauen- und
Männerkollektion „Der Weg zum Glück“. Auf dem
Jakobsweg ist Funktion wichtiger als Mode. Funktion aber ist in Mode.
Dieses
Fazit ist der Ausgangspunkt der Kollektion aus Trachten- und
Sportbekleidung. Elemente der Tracht stehen als Symbol für die
Sehnsucht nach Glaube, Tradition und Überschaubarkeit.
Sportbekleidung steht für ein gutes Körpergefühl, den
Wunsch nach Aktivität und Vitalität. Lodenjanker versus
Laufleggins sind die kontrastierende Stilmittel, um den Zwiespalt der
heutigen Generation zu visualisieren.
JurybegründungDie positive Ausstrahlung der sehr eigenständigen Kollektion
„Der Weg zum Glück“ überträgt sich sofort.
Zugleich ist es eine strenge, fordernde und fokussierte Modekollektion.
Sie basiert auf der besonderen Beobachtungsgabe, Trendgespür und
einem breiten Spektrum an fachlichem Wissen von Marianne Musek. Das
Konzept ist stark und überzeugend. Klug wird eine Vielzahl von
Einflüssen zu einem konsequenten, ruhigen und cleanen
Gesamteindruck vereint. Ob sportiv oder elegant, technische Materialien
oder Zitate von Trachten: Marianne Musek hält mit ihrer sicheren
Handschrift eine ausgewogene Balance. Die starke und neue Ästhetik
ist herausragend und ausgewogen. Selbst die sportlichen Teile der
Kollektion sind zum Beispiel für den Besuch einer Vernissage
geeignet. Auch das Handwerk überzeugt, die Neugier an
Herstellungs- und Veredelungsverfahren ist sichtbar. Die hohe
Professionalität der Kollektion setzt sich fort in der sprachlich
klaren und ausgereiften Dokumentation sowie dem Moodboard, welches
Poetik und Information vereint. Der persönliche Zugang zum Thema
wird transparent. Eine herausragende Arbeit! Jurymitglied Jean Kress,
Head of Design Quiksilver Europe
Ausbildung
Diplom, Universität der Künste Berlin
Prof. Stephan Schneider (Entwurf), Prof. Dr. Walter Scheiffele (Theorie)
Preis 3.000 Euro
sechsmonatiges dotiertes Praktikum bei Craft, Borås, Schweden
Kontakt
marianne.musek@yahoo.deNicole Manz
„Die Einsamkeit im Kokon“
2. Preis Abschlussarbeiten – European Fashion Award – FASH 2009 der Stiftung der Deutschen BekleidungsindustrieDie Pluralisierung der Gesellschaft bietet viele Möglichkeiten.
Diese Freiheit und Vielfalt führt auch zu Ängsten,
Anpassungsstress und erzwingt Mobilität. Das Bedürfnis nach
Geborgenheit, Schutz und Sicherheit steigt. Die Hinwendung ins Private
bedeutet gleichfalls den Rückzug aus der Öffentlichkeit;
weniger soziales Engagement. Die Widersprüchlichkeit dieses
„Cocoonings“ verleiht der Kollektion „Die Einsamkeit
im Kokon – wenn Geborgenheit gefangen hält“ Ausdruck.
Die fünf Frauenmodelle bieten einen mobilen Rückzugsort. Sie
basieren auf der Beobachtung, dass jeder in Bewegung ist und doch in
sich versunken: rauchen, lesen, telefonieren, Musik hören. Die
Hände suchen Schutz und wehren ab, Arme sind verschränkt,
Beine überkreuzt. Designthemen sind daher Überlängen,
Überkreuzungen und Bänder. Volumen in Form von Raffungen und
Drapagen, ein extrem hoher Kragen oder eine Kapuze verschaffen die
Möglichkeit sich zu verbergen. Strick bietet Wärme und so
Geborgenheit. Extrem enge Armlöcher oder der sehr tiefe Schritt
der Haremshose symbolisieren Befangenheit. Asymmetrie steht für
Ambivalenz. Mode als eine Art, den Alltag zu begreifen.
JurybegründungNicole Manz hat sich ihr Thema durch eigenes Beobachten und Erleben
erarbeitet und dabei sensibel und klug aktuelle Bedürfnisse
aufgespürt. Ebenso wie die Kreation überzeugt die brillante
Realisation: seien es die exzellenten Schnitte oder reichen Details.
Alles ist präzise hergeleitet und begründet. Durch dieses
hohe Niveau zeichnet sich auch die Dokumentation aus. Jurymitglied
Doreen Schulz, c.neeon
Ausbildung
Diplom, Hochschule Niederrhein, Mönchengladbach
Prof.,StA, Dipl.-Des., Renate Schmitt, Prof.,Dipl.-Des., Jutta Wiedemann
Preis 2.000 Euro
Stoffgutschein im Wert von 1.500 Euro vom Textilverband Schweiz
Kontakt
nicole_manz@gmx.de
Adrian Sommerauer
„London, Heimat #3“
3. Preis Abschlussarbeiten – European Fashion Award - FASH 2009 der Stiftung der Deutschen BekleidungsindustrieViel zu spät aufgewacht, schlaftrunken irgendetwas aus einem
Kleiderstapel ziehen und dann hinaus auf die belebte Straße. Der
melancholische, düstere Unterton der edlen und fragilen
Männerkollektion erzählt, wie man sich in der Fremde zu Hause
oder in der Heimat fremd fühlen kann. In diesem Fall der
Blick am Morgen aus dem Londoner Küchenfenster. Er inspirierte die
blau-graue Farbpalette und die Wahl der Stoffe. Glänzend
regennasse Oberflächen (Seide, Nylons, gechinztes Leinen,
gewaschene Wolle) stehen in Kontrast zu Baumwollstoffen, die an
Bettwäsche erinnern. Ein geblümter Pyjama bestimmt die
Formensprache. Als Gegengewicht zu dem übersoften Charakter dienen
klassisches Tailoring und ikonische Kleidungsstücke sowie eine
Bomberjacke. Materialien und Verarbeitungstechniken wie Hohlstich,
Stickerei oder von Hand gefertigter Strick sind aufwendig. So werden
die Grenzen von Männermode bewusst verschoben und eine –
auch auf der Haut – begehrenswerte Mode geschaffen.
JurybegründungDie konsistente Männerkollektion von Adrian Sommerauer ist nicht
nur von hoher Professionalität und überzeugt durch ihr
kreatives Gesamtkonzept. Auch die subtile Farb- und wertvolle
Materialauswahl ist von außerordentlicher Qualität. Die
Arbeit besticht durch ihre romantische Geschichte, die stringent in
Kleider übertragen wurde. Auch auf dem Spielfeld der
Männermode, den Details, überzeugt die gestalterische Kraft
von Adrian Sommerauer. Die technisch
anspruchsvolle Umsetzung ist handwerklich hervorragend gelungen, der
Style überzeugt, die Kollektion ist ausgewogen und doch
spannungsreich. Entstanden ist eine Männerkollektion die sehr
tragbar ist und doch ein klares Statement gibt. Ein wichtiger Impuls
für die Branche! Jurymitglied Martin Leuthold, Art Director Jakob
Schlaepfer
Ausbildung
Master in Fashion Menswear, Royal College of Art, London
Ike Rust, Senior Menswear Tutor (Entwurf), Juliet Ash, Senior Tutor in Fashion Critical and
Historical Studies (Theorie)
Preis 1.000 Euro
Kontakt
as@adriansommerauer.comwww.adriansommerauer.comWenke Müller
„Träume vom Ich“
Anerkennung
Abschlussarbeiten – European Fashion Award 2009 – FASH 2009
der Stiftung der Deutschen BekleidungsindustrieZehn Formen, zehn Frauenbilder, zehn verschiedene „Träume
vom Ich“. Der inneren Vielfalt wird eine Handschrift
entgegengesetzt: reduziert und erwachsen, eher leise als laut, mit
einem Hauch Luxus und Glamour von einst. Es geht um kultiviertes
Handwerk, den Sinnesreiz auf der Haut. Ob beim Hemdblusenkleid aus
Denim, dem Negligé aus Seide, der Bikerjacke aus Leder oder dem
Abendkleid aus 140 Organzablüten. Was sagt das Material, wozu regt
es an? Um den Fokus auf die Stoffe und Silhouetten zu lenken gibt es
nur eine Farbe. Dunkelblau wie die Nacht, in der man träumt und
mehr fühlen als sehen kann. Der Overall sitzt dank modernster
Computerstrickmaschinen wie eine zweite Haut. Er wurde in Form gebracht
durch eingestrickte Abnäher, die mit Zöpfen betont werden.
Was aussieht wie ein grobes Perlmuster ist die Rückseite eines
Henkelmusters. In der Kollektion „Träume vom Ich“ geht
es um Spiel und Entdeckung, Perfektion
und Ordnung, Sinnlichkeit und Ökonomie, Lebensstil statt Kleidung.
JurybegründungWenke Müller hat das Wettbewerbsthema „New Diversity“
gut gelöst. Ihre Kollektion verbindet das Elegante mit dem
Sportiven zu einer Kollektion, die offen ist für viele weitere
Kombinationsmöglichkeiten. Ihr Frauenbild ist selbstbewusst
modern. Ideen und Schnitt sind gekonnt und ein klares Bekenntnis zu
sinnlichen Materialien und traditionellem Handwerk. Die Qualität
der Dokumentation hält diesem hohen Niveau leider nicht Stand.
Jurymitglied Joachim Schirrmacher, Büro für strategische
Kommunikation
Ausbildung
Diplom, Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle
Prof. Thomas Greis, Prof. Joachim Schielicke
Preis 500 Euro
sechsmonatiges dotiertes Praktikum bei Akris, St.Gallen, Schweiz
Kontakt
wenkemueller@gmx.deWeitere Informationenwww.sdbi.de
Medienkontakt
Für weitere Informationen, Kontakte zu den Preisträgern und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an:
Joachim Schirrmacher
Projektleiter/Vorsitzender des Beirats
Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie
T +49 (0) 40 25 31 88 60
schirrmacher@sdbi.de