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Nr. 201.02.2009Download: 
Ausgezeichnete Arbeiten und Jurybegründung
Marcel Lunkwitz, Julia Müller
„Where the clouds are like headlines“
1. Preis Studierende – European Fashion Award – FASH 2009 der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie

Flughafen oder Festival, Routine oder Freiheit, Bekleidung oder Mode? Marcel Lunkwitz und Julia Müller haben recherchiert und sich entschieden. Für Beides. Für eine hybride Mode. Denn sie haben ein neues Männerbild erforscht: Aufgeschlossen, innovativ, emotional und männlich. Männer, die ihre Persönlichkeit mit Mode ausdrücken wollen, doch von der Vielfalt des Angebots überfordert sind. Männer, die Angst haben sie könnten sich verkleiden, sich lächerlich
machen, als unmännlich gelten.
Die Kollektion ist edel und jugendlich, spielerisch und bestimmt, kraftvoll und sensibel, innovativ und bodenständig, farbenfroh aber nicht bunt. Fast alle Materialien wurden veredelt, u.a. durch Siebdruck, Spachteln, Crashen, Raffen oder Besticken. Die weichen, fließenden Linien der elf Outfits leiten sich vom klassischen Frack ab. Jeder Look ist ein eigenständiger Charakter. Sie lassen sich zu neuen Typen eines freien, poetischen Lebensgefühls kombinieren.

Jurybegründung
Marcel Lunkwitz und Julia Müller haben in ihrem Entwurf viel riskiert. Schon dies ist hoch zu loben. Die Recherche zeugt von Neugier, Entdeckungsfreude und einem eigenen Blick. Dies führte zu einer überzeugenden Interpretation eines neuen Männerbildes. Die spielerische Kollektion mit ihren reizvollen Kontrasten wurde konsistent in hoher Qualität umgesetzt. Der Transfer vom Schnitt des Fracks zur Streetwear ist nicht nur gewagt, sondern auch überzeugend gelungen.
Styling, Farbkonzept, Dessinierung, Stoffauswahl und -veredlung sind innovativ und beeindrucken ebenso durch ihre Professionalität wie der Strick. Eine erstaunlich reife Leistung in Konzept und Realisation! Jurymitglied Wolfgang König, Einkaufsleiter Loden-Frey Ausbildung

6. Semester, Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle
Prof. Thomas Greis, Prof. Joachim Schielicke
Preis 2.000 Euro
Stoffgutschein im Wert von 2.000 Euro vom Textilverband Schweiz

Kontakt
info@cloudsacrossheadlines.com
www.cloudsacrossheadlines.com

Ilona Zaytseva
„Hoolifans – New Diversity of being a man“
2. Preis Studierende – European Fashion Award – FASH 2009 der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie

Ilona Zaytseva fragt nach den kollektiven Leitbildern des modernen Mannes. Doch statt auf die Rolle vom sorgenden Vater, konzentriert sich der Entwurf auf die Kultur und Philosophie von Hooligans mit ihrem Hang zur Gewalt. Es sind Männer, die unter der Woche ein gesellschaftlich integriertes Leben führen und am Wochenende ihre wilde Seite ausleben. Männer zwischen 14 und 40 Jahren, die eher unauffällige aber prestigeträchtige Markenkleidung tragen. So sind sie
unsichtbar für die Polizei, aber für andere Hooligans sofort erkennbar. In der Kollektion „Hoolifans – New Diversity of being a man“ wird dies durch durchsichtige und undurchsichtige Stoffe ausgedrückt. Die Farben reichen von schwarz (Bedrohung) über grau (unsichtbar) bis zu Akzentfarben. Durch Härten und Besprühen wurden die Stoffe aggressiver. Steine und Schleuder werden als Accessoires eingesetzt. Die Kollektion umfasst auch Entwürfe für Frauen, um auf ihre Rolle in dieser Subkultur hinzuweisen.

Jurybegründung
Ilona Zaytseva hat ihr Thema „Hoolifans“ mutig gewählt. Die hochwertige und eigenständige Umsetzung ins Design begeistert. Die anspruchsvolle Realisierung ist tadellos, die Details präzise auf den Punkt gebracht. Auch die sehr professionelle Präsentation von spitzem Designkonzept und kommerzieller Umsetzung zeugt von einer begabten Designerin. Entstanden sind Kleider die sofort in den Verkauf gehen können. Ilona Zaytseva, die schon 2008 zu den Preisträgern des European Fashion Awards zählte, hat sich deutlich weiterentwickelt. Jurymitglied Marcel Herrig, Unicut Design Office

Ausbildung
8. Semester, Hochschule Pforzheim, Prof. Johann Stockhammer
Preis 1.500 Euro
Stoffgutschein im Wert von 1.000 Euro vom Textilverband Schweiz

Kontakt
ilona.zaytseva@gmail.com


Marianne Musek
„Der Weg zum Glück“
1. Preis Abschlussarbeiten – European Fashion Award – FASH 2009 der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie

Fortuna und Felicitas – ist Glück ein Zustand, den wir dauerhaft erreichen können? Gibt es ein Recht auf Glück oder ist es ein Privileg, das lediglich in kurzen Abschnitten des Lebens zu Teil wird? Bringen Geld oder eine erfüllende Tätigkeit Glück? Wohin führt die Suche nach dem Glück? Die Methode des Pilgerns diente der Reflektion der Frauen- und Männerkollektion „Der Weg zum Glück“. Auf dem Jakobsweg ist Funktion wichtiger als Mode. Funktion aber ist in Mode. Dieses
Fazit ist der Ausgangspunkt der Kollektion aus Trachten- und Sportbekleidung. Elemente der Tracht stehen als Symbol für die Sehnsucht nach Glaube, Tradition und Überschaubarkeit. Sportbekleidung steht für ein gutes Körpergefühl, den Wunsch nach Aktivität und Vitalität. Lodenjanker versus Laufleggins sind die kontrastierende Stilmittel, um den Zwiespalt der heutigen Generation zu visualisieren.

Jurybegründung

Die positive Ausstrahlung der sehr eigenständigen Kollektion „Der Weg zum Glück“ überträgt sich sofort. Zugleich ist es eine strenge, fordernde und fokussierte Modekollektion. Sie basiert auf der besonderen Beobachtungsgabe, Trendgespür und einem breiten Spektrum an fachlichem Wissen von Marianne Musek. Das Konzept ist stark und überzeugend. Klug wird eine Vielzahl von Einflüssen zu einem konsequenten, ruhigen und cleanen Gesamteindruck vereint. Ob sportiv oder elegant, technische Materialien oder Zitate von Trachten: Marianne Musek hält mit ihrer sicheren Handschrift eine ausgewogene Balance. Die starke und neue Ästhetik ist herausragend und ausgewogen. Selbst die sportlichen Teile der Kollektion sind zum Beispiel für den Besuch einer Vernissage geeignet. Auch das Handwerk überzeugt, die Neugier an Herstellungs- und Veredelungsverfahren ist sichtbar. Die hohe Professionalität der Kollektion setzt sich fort in der sprachlich klaren und ausgereiften Dokumentation sowie dem Moodboard, welches Poetik und Information vereint. Der persönliche Zugang zum Thema wird transparent. Eine herausragende Arbeit! Jurymitglied Jean Kress, Head of Design Quiksilver Europe

Ausbildung
Diplom, Universität der Künste Berlin
Prof. Stephan Schneider (Entwurf), Prof. Dr. Walter Scheiffele (Theorie)
Preis 3.000 Euro
sechsmonatiges dotiertes Praktikum bei Craft, Borås, Schweden

Kontakt
marianne.musek@yahoo.de


Nicole Manz
„Die Einsamkeit im Kokon“
2. Preis Abschlussarbeiten – European Fashion Award – FASH 2009 der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie

Die Pluralisierung der Gesellschaft bietet viele Möglichkeiten. Diese Freiheit und Vielfalt führt auch zu Ängsten, Anpassungsstress und erzwingt Mobilität. Das Bedürfnis nach Geborgenheit, Schutz und Sicherheit steigt. Die Hinwendung ins Private bedeutet gleichfalls den Rückzug aus der Öffentlichkeit; weniger soziales Engagement. Die Widersprüchlichkeit dieses „Cocoonings“ verleiht der Kollektion „Die Einsamkeit im Kokon – wenn Geborgenheit gefangen hält“ Ausdruck.
Die fünf Frauenmodelle bieten einen mobilen Rückzugsort. Sie basieren auf der Beobachtung, dass jeder in Bewegung ist und doch in sich versunken: rauchen, lesen, telefonieren, Musik hören. Die Hände suchen Schutz und wehren ab, Arme sind verschränkt, Beine überkreuzt. Designthemen sind daher Überlängen, Überkreuzungen und Bänder. Volumen in Form von Raffungen und Drapagen, ein extrem hoher Kragen oder eine Kapuze verschaffen die Möglichkeit sich zu verbergen. Strick bietet Wärme und so Geborgenheit. Extrem enge Armlöcher oder der sehr tiefe Schritt der Haremshose symbolisieren Befangenheit. Asymmetrie steht für Ambivalenz. Mode als eine Art, den Alltag zu begreifen.

Jurybegründung
Nicole Manz hat sich ihr Thema durch eigenes Beobachten und Erleben erarbeitet und dabei sensibel und klug aktuelle Bedürfnisse aufgespürt. Ebenso wie die Kreation überzeugt die brillante Realisation: seien es die exzellenten Schnitte oder reichen Details. Alles ist präzise hergeleitet und begründet. Durch dieses hohe Niveau zeichnet sich auch die Dokumentation aus. Jurymitglied Doreen Schulz, c.neeon

Ausbildung
Diplom, Hochschule Niederrhein, Mönchengladbach
Prof.,StA, Dipl.-Des., Renate Schmitt, Prof.,Dipl.-Des., Jutta Wiedemann
Preis 2.000 Euro
Stoffgutschein im Wert von 1.500 Euro vom Textilverband Schweiz

Kontakt
nicole_manz@gmx.de

Adrian Sommerauer
„London, Heimat #3“
3. Preis Abschlussarbeiten – European Fashion Award - FASH 2009 der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie

Viel zu spät aufgewacht, schlaftrunken irgendetwas aus einem Kleiderstapel ziehen und dann hinaus auf die belebte Straße. Der melancholische, düstere Unterton der edlen und fragilen Männerkollektion erzählt, wie man sich in der Fremde zu Hause oder in der Heimat fremd fühlen kann. In diesem Fall der Blick am Morgen aus dem Londoner Küchenfenster. Er inspirierte die blau-graue Farbpalette und die Wahl der Stoffe. Glänzend regennasse Oberflächen (Seide, Nylons, gechinztes Leinen, gewaschene Wolle) stehen in Kontrast zu Baumwollstoffen, die an Bettwäsche erinnern. Ein geblümter Pyjama bestimmt die Formensprache. Als Gegengewicht zu dem übersoften Charakter dienen klassisches Tailoring und ikonische Kleidungsstücke sowie eine Bomberjacke. Materialien und Verarbeitungstechniken wie Hohlstich, Stickerei oder von Hand gefertigter Strick sind aufwendig. So werden die Grenzen von Männermode bewusst verschoben und eine – auch auf der Haut – begehrenswerte Mode geschaffen.

Jurybegründung
Die konsistente Männerkollektion von Adrian Sommerauer ist nicht nur von hoher Professionalität und überzeugt durch ihr kreatives Gesamtkonzept. Auch die subtile Farb- und wertvolle Materialauswahl ist von außerordentlicher Qualität. Die Arbeit besticht durch ihre romantische Geschichte, die stringent in Kleider übertragen wurde. Auch auf dem Spielfeld der Männermode, den Details, überzeugt die gestalterische Kraft von Adrian Sommerauer. Die technisch
anspruchsvolle Umsetzung ist handwerklich hervorragend gelungen, der Style überzeugt, die Kollektion ist ausgewogen und doch spannungsreich. Entstanden ist eine Männerkollektion die sehr tragbar ist und doch ein klares Statement gibt. Ein wichtiger Impuls für die Branche! Jurymitglied Martin Leuthold, Art Director Jakob Schlaepfer

Ausbildung
Master in Fashion Menswear, Royal College of Art, London
Ike Rust, Senior Menswear Tutor (Entwurf), Juliet Ash, Senior Tutor in Fashion Critical and
Historical Studies (Theorie)
Preis 1.000 Euro

Kontakt
as@adriansommerauer.com
www.adriansommerauer.com


Wenke Müller
„Träume vom Ich“
Anerkennung Abschlussarbeiten – European Fashion Award 2009 – FASH 2009 der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie

Zehn Formen, zehn Frauenbilder, zehn verschiedene „Träume vom Ich“. Der inneren Vielfalt wird eine Handschrift entgegengesetzt: reduziert und erwachsen, eher leise als laut, mit einem Hauch Luxus und Glamour von einst. Es geht um kultiviertes Handwerk, den Sinnesreiz auf der Haut. Ob beim Hemdblusenkleid aus Denim, dem Negligé aus Seide, der Bikerjacke aus Leder oder dem Abendkleid aus 140 Organzablüten. Was sagt das Material, wozu regt es an? Um den Fokus auf die Stoffe und Silhouetten zu lenken gibt es nur eine Farbe. Dunkelblau wie die Nacht, in der man träumt und mehr fühlen als sehen kann. Der Overall sitzt dank modernster Computerstrickmaschinen wie eine zweite Haut. Er wurde in Form gebracht durch eingestrickte Abnäher, die mit Zöpfen betont werden. Was aussieht wie ein grobes Perlmuster ist die Rückseite eines Henkelmusters. In der Kollektion „Träume vom Ich“ geht es um Spiel und Entdeckung, Perfektion
und Ordnung, Sinnlichkeit und Ökonomie, Lebensstil statt Kleidung.

Jurybegründung
Wenke Müller hat das Wettbewerbsthema „New Diversity“ gut gelöst. Ihre Kollektion verbindet das Elegante mit dem Sportiven zu einer Kollektion, die offen ist für viele weitere Kombinationsmöglichkeiten. Ihr Frauenbild ist selbstbewusst modern. Ideen und Schnitt sind gekonnt und ein klares Bekenntnis zu sinnlichen Materialien und traditionellem Handwerk. Die Qualität der Dokumentation hält diesem hohen Niveau leider nicht Stand. Jurymitglied Joachim Schirrmacher, Büro für strategische Kommunikation

Ausbildung
Diplom, Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle
Prof. Thomas Greis, Prof. Joachim Schielicke
Preis 500 Euro
sechsmonatiges dotiertes Praktikum bei Akris, St.Gallen, Schweiz

Kontakt
wenkemueller@gmx.de


Weitere Informationen
www.sdbi.de
Medienkontakt
Für weitere Informationen, Kontakte zu den Preisträgern und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an:
Joachim Schirrmacher
Projektleiter/Vorsitzender des Beirats
Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie 
T +49 (0) 40 25 31 88 60 
schirrmacher@sdbi.de
 

Interview

 
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