Neue Stoffe und Schnitte, Secondhand und Recycling, Lieblingsteile und
neue Arbeitsprozesse – dass sind die Lösungsansätze der
Siegerarbeiten des European Fashion Award – FASH 2008. Der Preis
der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie (SDBI) suchte dieses
Jahr unter dem Titel „Attitude“ umwelt- und sozialgerechte
Mode.
„Mode, die einem ständigen Wechsel unterworfen ist, mit
zentralen ökologischen Aspekten zu vereinen, ist eine höchst
anspruchsvolle Aufgabe, denn wer sich ernsthaft mit der Thematik
beschäftigt, stellt schnell fest, dass es sich um einen kaum
aufzulösenden Widerspruch handelt“, sagte SDBI-Projektleiter
Joachim Schirrmacher während der feierlichen Preisverleihung im
Rahmen der ispo winter 08 in München.
Die SDBI feierte an diesem Tag auch ihr 30-jähriges Bestehen.
Zudem wurde die gemeinnützige Stiftung für ihre
richtungsweisende und zukunftsorientierte Arbeit ausgezeichnet als
„Ausgewählter Ort 2008“ durch die Standortinitiative
der Bundesregierung und der Deutschen Wirtschaft „Deutschland
– Land der Ideen“.
„Auch in der feinsten Kleidung liegt keine Schönheit, wenn
sie Hunger und Unglück mit sich bringt“, zitierten die
Preisträgerinnen Sara Fromm, Ilona Zaytseva Indira Gandhi.
„Natürlich wäre es sinnvoll, wenn die Menschen nur
Kleidung kaufen würden, die sie wirklich brauchen“, schreibt
Melanie Gros von der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft,
Berlin in ihrer Dokumentation.
„Doch die Konsumenten zur Besinnung zu bewegen, scheint fast
unmöglich und ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht der meisten
Unternehmen auch nicht wünschenswert.“ Warum sich die Kunden
– allem Bekenntnissen zum Trotz – so schwer mit
ökologischer Mode tun, haben Hamburger Studierende analysiert:
„Ihr unmittelbarer Nutzen ist kaum höher: nicht der
Konsument profitiert, sondern die Umwelt und die Gesellschaft.“
Umso höher sind die eingereichten Arbeiten zu bewerten, die sich
dieser großen Herausforderungen gestellt haben. Um überhaupt
zu einer Lösung zu kommen, mussten sie selber eine Haltung, eine
Attitude einnehmen.
Melanie Gros hat rechteckige Stoffe zu Kleidern drapiert. So werden
beim Zuschnitt rund 20 Prozent Abfall vermieden. Die anspruchsvolle
Realisierung ist so brilliant, dass der Studentin des vierten Semesters
an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin der 1.
Preis zugesprochen wurde. Aus Stoffabfällen haben Laura Turner,
Lauren Gilfillan und Esther Muir von der Grays School of Art, aus
Aberdeen/Schottland wunderbare Kleider geschaffen und dafür den 2.
Preis errungen. Frauke Buschmeyer von der Hochschule für
Künste Bremen hat mit ihrer starken und neuen Ästhetik
Lieblingsteile geschaffen die viele Jahre getragen werden; und
Müllvermeidung ist anerkannter Weise die effektivste Art die
Umwelt zu schonen. Sie erhielt den 3. Preis des European Fashion Award
FASH.
Dass unsere postindustrielle Gesellschaft nicht mehr vom selben
braucht, hat Otto von Busch erkannt. Der Doktorrand der Göteborg
University stellt dazu das Modesystem in Frage. Nicht um es zu
negieren, sondern um es zu erneuern. Er erhielt dafür den
Sonderpreis Modetheorie.
Die Liste aller Preisträger und Preise, eine ausführliche
Beschreibung der ausgezeichneten Arbeiten und die Begründung der
Jury befinden sich im Anhang.
Der European Fashion Award – FASH wird jährlich von der SDBI
ausgelobt. Er richtet sich an besonders begabte Designstudenten aller
Gestaltungsdisziplinen ab dem vierten Semester. Die Stiftung wurde von
dem Modeunternehmer Klaus Steilmann ins Leben gerufen. Sie feiert 2008
ihr 30jähriges Bestehen. Ziel der gemeinnützigen Stiftung ist
eine wegweisende Nachwuchsförderung. Mit insgesamt 9.500 Euro
Preisgeld wurden die Sieger prämiert – davon 2.500 Euro von
der Otto Group. Hinzukommen Stoffgutscheine des Schweizer
Textilverbandes im Wert von 2.500 Euro sowie bezahlte sechsmonatige
Praktikumsplätze bei Falke (Schmallenberg), Schumacher (Mannheim)
und einem Unternehmen der Otto Gruppe.
Ausgezeichnete Kreativität ist die eine Anforderung an einen
Gestalter – das Wissen um Verträge, Kundenakquisition,
Urheber- und Nutzungsrechte oder Honorare – sind andere
wesentliche Voraussetzungen für einen erfolgreichen Designer. Nach
dem großen Erfolg 2007 wurden daher während der ispo winter
08 wieder täglich Workshops zu diesen berufsqualifizierenden
Themen von der SDBI und dem Berufsverband Alliance of German Designers
(AGD) angeboten.
Die Dokumentationen aller Siegerarbeiten werden in der
weltgrößten Bibliothek und graphischen Sammlung zur
Kulturgeschichte der Mode und Kleidung, der Lipperheideschen
Kostümbibliothek in Berlin, der Öffentlichkeit
zugänglich sein.
Weitere Informationen:
www.sdbi.de.
Medienkontakt
Für weitere Informationen, Kontakte zu den Preisträgern und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an:
Joachim Schirrmacher
Projektleiter/Vorsitzender des Beirats
Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie
T +49 40 25 31 88 60
schirrmacher@sdbi.de
Susanne Fischer
Leiterin Marketing & Kommunikation
ispo Group
T +49 89 949 20870
fischer@ispo.com
European Fashion Award – FASHPreise und Preisträger 2008
1. PreisMelanie Gros, Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin
„For Square“
4.000 Euro
Sechsmonatiges dotiertes Praktikum bei einem Unternehmen der Otto Gruppe.
2. PreisLaura Turner, Lauren Gilfillan, Esther Muir
„Eco Pogue Mahone“
Grays School of Art, Robert Gordon University, Aberdeen
2.000 Euro
Sechsmonatiges dotiertes Praktikum bei Falke, Schmallenberg
Stoffgutschein im Wert von 500 Euro sowie 100 Euro Reisekostenzuschuss vom Textilverband
Schweiz
3. PreisFrauke Buschmeyer
„In den Ritzen sitzen die Krokodile“
Hochschule für Künste Bremen
1.500 Euro
Stoffgutschein im Wert von 500 Euro sowie 100 Euro Reisekostenzuschuss vom Textilverband
Schweiz
AnerkennungSara Fromm, Ilona Zaytseva
„Symbiose“
Hochschule Pforzheim, Fakultät für Gestaltung
500 Euro
Sechsmonatiges dotiertes Praktikum bei Schumacher, Mannheim
Stoffgutschein im Wert von 500 Euro sowie 100 Euro Reisekostenzuschuss vom Textilverband
Schweiz
AnerkennungPia Heise
„Im Nebel“
Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design/
500 Euro
Stoffgutschein im Wert von 500 Euro sowie 100 Euro Reisekostenzuschuss vom Textilverband
Schweiz
AnerkennungPia Niewöhner
„Uni(Form)“
Hochschule für Künste Bremen
500 Euro
Stoffgutschein im Wert von 500 Euro sowie 100 Euro Reisekostenzuschuss vom Textilverband
Schweiz
Sonderpreis ModetheorieOtto von Busch
„Dale Sko Hack“
Göteborg University
500 Euro
JuryEine Jury aus international erfahrenen Experten aus Design, Industrie, Marketing, Medien und
Handel ermittelte die Preisträger nach vorab festgelegten Kriterien.
Susanne Fischer
Head of Marketing and Communications – ispo Group, Messe München, GmbH
Marcel Herrig
Unicut Design Limited, ShenZen, China
Ulrike Okbay-Reichert
Bereichsleitung Modeeinkauf, Otto, Hamburg
Joachim Schirrmacher
Büro für strategische Kommunikation, SDBI, Hamburg
Joyce Thornton
Generation Now Editor, WGSN, London