1. / Juli 2007
Europäische Nachwuchsdesigner präsentieren sich im Alsterhaus
„Die Kunst des Reisens“ war das Thema des europaweit ausgeschriebenen Preises der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie, der im Januar auf der Fachmesse „ispovision“ in München verliehen wurde. Das Hamburger Warenhaus Alsterhaus präsentiert die (unverkäuflichen) Siegerarbeiten bis zum 17. Juli in den Schaufenstern am Jungfernstieg und auf Sonderflächen im Erdgeschoss erstmals der allgemeinen Öffentlichkeit.
Ob Geschäftsreise oder Sporturlaub, First Class oder Economy – gesucht wurde eine Mode, die den vielfältigen Anforderungen Reisender entspricht. Entsprechend unterschiedlich sind die Inspirationen der ausgezeichneten Arbeiten, welche die Jury nach festgelegten Kriterien aus den von 114 Studierenden eingereichten 68 Arbeiten aus 14 Ländern ermittelte.
Die Koreanerin Mi-kyong Yeom (1. Preis, Universität der Künste Berlin) hat sich auf die Essenz des Reisens konzentriert: einen neuen Gefühlszustand zu erreichen. Ausgangspunkt ihrer Kollektion für Frauen ist die dramatischen Musik von Schuberts „Winterreise“.
Arnold Gevers (3. Preis, Hochschule für Künste Bremen) untersuchte für seine Männermode die Grand Tour adeliger Söhne des 18. Jahrhunderts und flanierte dazu selber durch Paris und St. Petersburg.
„4 Kilo – 4 Jahreszeiten, der Name der Damen- und Männerkollektion der Mongolin Batmunkh Bataa (3. Preis, Kunsthochschule Berlin-Weißensee) ist Programm, bietet sie doch leichte Kleidung mit geringem Packmaß für ein mobiles Arbeitsleben.
Dorothea Hansen (Anerkennung, Hochschule für Gestaltung Technik und Wirtschaft, Pforzheim) entwarf multifunktionale Reisekleidung für Frauen, die mit dem Rucksack Fernreisen unternehmen.
Katrin Sergejew (Anerkennung, Fachhochschule für angewandte Kunst, Schneeberg) ließ sich für ihre Frauen- und Männerkollektion von den Farben, Straßen- und U-Bahnnetzten von London, New York und Peking anregen.
Präsentiert werden auch die Siegerarbeiten des Sonderpreises Reisegepäck der gemeinsam mit dem Gepäckhersteller Tumi veranstaltet wurde. Lisa Stroux (1. Preis, Royal College of Art, London) schuf mit „Suitable“ eine neuartige Kombination aus Mantel und Koffer, die alles Notwendige für eine dreitägige Geschäftsreise fasst. Oliver Reinecke (2. Preis, Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design, Halle) entwarf den Koffer „Transit“, der eine textile Leichtkommode enthält. Und Anna Steinmann (3. Preis, Kunsthochschule Berlin-Weißensee) gestaltete „Yoga“, einen variablen Koffer, der sich klein und groß machen kann, ob für drei Tage oder drei Wochen.
Das hohe Niveau der Arbeiten wird auch dadurch sichtbar, dass drei der Preisträger derzeit bei John Galliano, einem der weltweit bedeutendsten Designer, in Paris arbeiten.
Die ausführlichen Beschreibungen der ausgestellten Arbeiten, den vergebenen Preisen und Begründungen der Jury finden Sie im Anhang.
Überraschend tragbar
Claudia Leske, Geschäftsführerin des Alsterhaus und als Mitglied des Beirat der Stiftung auch Jurorin, hat die Siegerarbeiten nach Hamburg eingeladen: „Die Qualifizierung von Mitarbeitern steht im Zentrum meiner Arbeit. Daher unterstütze ich gerne die Preisträger der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie. Zum einen durch die Ausstellung ihrer Arbeiten an einem der prominentesten Plätze in Hamburg, zum anderen durch das Angebot mit ihnen je ein einstündiges Coachinggespräch über ihre weitere Entwicklung zu führen.“
Joachim Schirrmacher, Projektleiter der Stiftung, freut sich für die jungen Designer, dass mit dem Alsterhaus einer der Großen des Marktes diese Plattform bietet und verspricht den Besuchern der Ausstellung „poetische Entwürfe, die der Gleichheit der Massenprodukte ihre subjektive Wahrheit entgegenstellen und dennoch überraschend tragbar sind“.
Wegweisende Nachwuchsförderung
Die gemeinnützige „Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie zur Förderung der Ausbildung von Nachwuchskräften in der Modebranche“, so der offizielle Name, wurde vom Modeunternehmer Klaus Steilmann vor 30 Jahren gegründet. Sie verfolgt ausschließlich die Aufgabe einer zukunftsorientierten Förderung bedürftiger Nachwuchskräfte und übernimmt durch ihren Preis, ihre Kommunikation und Publikationen sowie durch ihr Branchen-Netzwerk eine wegweisende Rolle für Design und Industrie. Der Preis wird mit einem jährlich wechselnden Thema unter 420 Schulen in 20 Ländern ausgelobt. Gesucht werden interdisziplinäre Projekte und gefordert wird konzeptionelles Arbeiten.
Kreativität ist das Potential der Wirtschaft
Hintergrund dieser Ausrichtung ist, dass Talent, Geschmack, modisches Gespür und Ideen heute nicht mehr ausreichen um im Berufsleben zu bestehen. Auch eine rein handwerkliche oder formalästhetische Produktgestaltung hat alleine nur wenig Chancen. Neben den Entwurf der Bekleidung, die nur auf höchstem Niveau eine europäische Zukunft hat, tritt vor allem die Kommunikation. Das strategisch richtige Erschaffen von prägnanten Welten, wird immer wichtiger und schwieriger. „Es geht immer weniger um Fragen der Form-, als der Sinngebung. Eine integrierte Produktentwicklung, also die gleichzeitige Gestaltung von Produkt, Kommunikation und Distribution, ist heute entscheidend für einen anhaltenden Erfolg am Markt“, so Joachim Schirrmacher.
Dies sind hohe Anforderungen. Gelder für die Nachwuchsförderung sind daher keine gut gemeinten Almosen, sondern Investitionen um das kreative Potential für den signifikanten Wirtschafs- und Kulturfaktor Design zu entwickeln. Denn erfolgreiche Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen sind heute ohne eine marktorientierte Übersetzung durch kreative Disziplinen undenkbar geworden, gerade in gesättigten Märkten.
Weitere Schritte der Nachwuchsförderung
Ein Designpreis wie der Preis der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie motiviert, schafft Aufmerksamkeit, setzt Standards und gibt einer Branche Impulse. Mit Nachwuchswettbewerben spüren Unternehmen zudem neue Trends auf und sie sind ein wichtiges Instrument der Rekrutierung neuer Mitarbeiter.
Dennoch können Design-Wettbewerbe nur ein erster Schritt der Nachwuchsförderung sein. Denn junge Designer müssen viel investieren. Schon das Studium ist teuer. Mit einem eigenen Label kommen Miete, Mitarbeiter, Maschinen, Messen und Modenschauen hinzu. Es braucht daher eine weitergehende Förderung dieser Talente um Europas Trendkompetenz weiter zu behaupten. Sie brauchen bezahlte Praktika, geförderte Ateliers, Existenzgründerkredite sowie vor allem eine Muster- und Kleinserienfertigung in der Nähe. Um dies zu realisieren, braucht es ein Netzwerk von Schulen, Industrie, Messen, Medien und Handel.
Die Kunst des Reisens
Preis der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie
Zu Gast im Alsterhaus
Jungfernstieg 16 – 20, 20354 Hamburg
3. - 17. Juli 2007
Montag bis Samstag 10 bis 20 Uhr
www.sdbi.de
Medienkontakt
Für weitere Informationen, Kontakte zu den Preisträgern und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an:
Joachim Schirrmacher
Projektleiter - Vorsitzender des Beirates
Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie
Tel +49 40 253 18 860
schirrmacher@sdbi.de
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