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Ausgewähle Arbeiten und Jurybegründung
1. Preis European Fashion Award – FASH 2008
der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie
Melanie Gros
„For Square“
4. Semester, Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin
4.000 Euro, sechsmonatiges dotiertes Praktikum bei einem Unternehmen der Otto Gruppe.
mellygros@gmx.de
www.fhtw-berlin.de

Das Viereck bildet die Basis dieser herbstlichen Kollektion für Frauen. Ihr Ziel ist ein Zuschnitt
ohne Abfall. Statt die Schnittmuster dem rundlichen Körper anzupassen, drapiert „For Square“
Rechtecke am Körper. Auf diese Weise werden rund zwanzig Prozent Verschnitt eingespart. „For Square“ bietet Lieblingsstücke, die noch in zehn Jahren
getragen werden. Trotz potentieller Langlebigkeit basieren die Silhouetten auf aktuellen großzügigen, fallenden und geraden Schnitten. Die Hauptfarbe Schwarz (nach strengsten Richtlinien gefärbt) ist
klassisch, massenkompatibel und schick. Die Stoffe sind fair gehandelt und stammen aus biologischem Anbau aus der Türkei. Sie variieren zwischen weichen und wärmenden Single Jersey, robusten Köper und voluminöser Wirkware.

Jurybegründung
Beim Zuschnitt fällt trotz modernster Technik immer noch rund 20 Prozent Abfall an. Dieses zumeist übersehene Problem hat Melanie Gros gelöst. Ihr Konzept, rechteckige Stoffe zu Kleidern zu drapieren, ist in der Realisierung höchst anspruchsvoll. Umso mehr ist die sowohl ästhetisch als auch funktionell brillante Umsetzung zu loben. Man ahnt nicht einmal mehr, dass die Kleider aus Rechtecken bestehen. Und dies nicht nur bei einem Outfit, sondern in der ganzen Kollektion; sogar Hosen wurden realisiert. Die Arbeit ist so stark, dass sie selbst zu unterschiedlichen Gelegenheiten und Farben funktioniert.
Sicher: „Green is the new black“, schließlich ist Schwarz nach wie vor eine der problematischsten
Farben für die Umwelt. Melanie Gros hat sich dennoch in einer klugen Abwägung für eine gute Balance zwischen Umwelt und Realität entschieden. Schwarze Kleider haben eine hohe Akzeptanz und werden entsprechend gut verkauft und werden lange getragen.
Die anspruchsvolle Aufgabenstellung umwelt- und sozialgerechte Mode mit eigener Haltung zu entwerfen, wurde sehr eigenständig und einfach gelöst. Und dies als klar industrieorientiertes Design. Eine herausragende Arbeit, insbesondere für eine Studentin des vierten Semesters!
Jurymitglied Ulrike Okbay-Reichert, Bereichsleitung Modeeinkauf, Otto, Hamburg


2. Preis European Fashion Award – FASH 2008
der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie
Laura Turner, Lauren Gilfillan, Esther Muir
„Eco Pogue Mahone“
6. Semester, Grays School of Art, Robert Gordon University, Aberdeen
2.000 Euro
Sechsmonatiges dotiertes Praktikum bei Falke, Schmallenberg
Stoffgutschein im Wert von 500 Euro sowie 100 Euro Reisekostenzuschuss vom Textilverband
Schweiz/Swiss Textiles
laura.turner@hotmail.co.uk
www.rgu.ac.uk/grays

Pogue Mahone ist ein gälischer Kraftausdruck. Das die Umwelt eben doch nicht egal ist, zeigt die Frauenkollektion „Eco Pogue Mahone“. Sie besteht aus Produktionsabfällen kostbarer „Tartans“;
dem Schottenstoff mit seinen Clan-Mustern. Statt die Abfälle weiterhin auf einer Deponie zu entsorgen, werden sie zu einem neuen Stoff gewebt und genäht. Die entstanden Kleidungsstücke sind ebenso kreativ wie umweltfreundlich. Sie erinnern an eine Chaneljacke, statt an Recyclingmode. Die einzigartige Jacke im Militärstil wird ergänzt durch einen Rock aus einem „Blue Ramsay“ Tartan. Ziel des Projektes ist es, die Arbeit und die Handwerkskunst, die in diesem
groben aber stylishen Material steckt, hervorzuheben und damit die Geschichte Schottlands
lebendig zu halten.

Jurybegründung
„Eco Pogue Mahone“ ist eine Kollektion mit einer starken Geschichte. Der gut gewählte
Ausgangspunkt sind Abschnitte schottischer Tartanstoffe. Statt sie zu entsorgen, wurden sie in
einzigartiger Weise zu einem neuen Stoff gefertigt. Die Kollektion zeigt die hohe entwicklerische
Fähigkeit des Teams. Sie ist nicht nur technisch sehr gut realisiert, sondern auch von großer
gestalterischer Kraft. Die humorvolle Interpretation wertet den traditionellen Stoff auf. Er erscheint
wieder jung, frisch und aktuell. Die Arbeit ist ein klares Bekenntnis zum arbeitsaufwendigen
Kunsthandwerk und zu Schottland.
Jurymitglied Marcel Herrig, Unicut Design Limited, ShenZen, China


3. Preis European Fashion Award – FASH 2008
der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie
Frauke Buschmeyer
„In den Ritzen sitzen die Krokodile“
Diplom, Hochschule für Künste Bremen
1.500 Euro
Stoffgutschein im Wert von 500 Euro sowie 100 Euro Reisekostenzuschuss vom Textilverband
Schweiz
frauke07@fraukebuschmeyer.de
www.fraukebuschmeyer.de
www.hfk-bremen.de

Die Diplomkollektion „In den Ritzen sitzen die Krokodile“ besteht aus
Lieblingsstücken für individuelle Frauen zwischen 20 und 40. Sie
sind angenehm auf der Haut und die Trägerin kann eine emotionale, fantasie- und liebevolle Beziehung zu ihnen aufbauen. Lieblingsstücke sind nachhaltig, da ihre Originalität sich nicht nach einer Saison verflüchtigt. Um dies Ziel zu erreichen, diente als Ausgangspunkt die unbeschwerte Perspektive der Kindheit, in der alltägliche Dinge voller Spannung sind. Vier Geschichten von einem Löwen, Krokodil, Pinguin und Eisbären inspirierten Illustrationen, Schnitte, Farbwelt und Stoffauswahl.
Die Arbeit ist zudem eine Suche nach dem eigenen Ausdruck zwischen lauter Expressivität und sensiblen Erahnen; sowie der Balance zwischen eigenen Gestaltungswunsch und emotionalen
Bedürfnissen der Trägerin.

Jurybegründung
Frauke Buschmeyer setzt auf Müllvermeidung, die effektivste Art die Umwelt zu schonen. Der
Weg der Realisierung wurde in beeindruckender Weise erarbeitet. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Lieblingsteile viele Jahre gerne getragen werden. Doch wie schafft man Lieblingsteile? Sie wählte zur Inspiration starke emotionale Motive: Kinder und Tiere. Die vergleichsweise komplexe Kollektion spielt das Thema gut durch, ohne dass es sich zu sehr in den
Vordergrund spielt. Es bleibt Mittel zum Zweck begehrenswerte Mode zu schaffen.
Die Kollektion hat eine sehr starke und neue Ästhetik: sie ist fröhlich und humorvoll, jung und elegant. Dies ist keine oberflächliche Mode, sondern selbstbewusste Gestaltung.
Frauke Buschmeyer weiß offenkundig was sie will und kann es auch umsetzen. Sie verfügt über eine große gestalterische Kraft und kann einer Marke Identität verleihen. Zu loben ist nicht nur ihre konzeptionelle Stärke und gestalterische Kraft, sondern auch ihr handwerkliches Können bei der Realisierung neuer Schnitte.
Jurymitglied Joachim Schirrmacher, Büro für strategische Kommunikation, Hamburg


Anerkennung European Fashion Award – FASH 2008
der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie
Sara Fromm, Ilona Zaytseva
„Symbiose
6. Semester, Hochschule Pforzheim, Fakultät für Gestaltung
500 Euro
Sechsmonatiges dotiertes Praktikum bei Schumacher, Mannheim
Stoffgutschein im Wert von 500 Euro sowie 100 Euro Reisekostenzuschuss vom Textilverband
Schweiz
sarfro@web.de
www.hs-pforzheim.de

Indira Gandhi gibt das Motto dieser Arbeit vor: „Auch in der feinsten Kleidung liegt keine Schönheit, wenn sie Hunger und Unglück mit sich bringt.“ Die Frauenkollektion „Symbiose“ wurde daher aus eine Kombination von Alt und Neu entwickelt. Die Basis bilden industrielle Stickteile, die nach ökologischen und ethischen Vorgaben hergestellt werden. Sie sind in Form und Farbe klassisch, gut miteinander zu kombinieren und deshalb langlebig. Die Details und Muster kommen von Second-Hand Kleidung. Allein in Deutschland werden jedes Jahr rund 300 Millionen
Kleidungsstücke ausrangiert, die noch tragbar sind. Die Symbiose entsteht aus der Verfilzung beider Materialien. Dies ergibt eine von Kunden oft gewünschte Individualität. Zudem kann das
Kollektionskonzept aktuellen Trends angepasst werden.

Jurybegründung
Was lässt sich mit Kleidung anfangen, die wir nicht mehr tragen? Sara Fromm und Ilona Zaytseva
haben mit der Verfilzung gebrauchter Kleidung und Accessoires eine gute Lösung aufgezeigt. In
ihrer Arbeit beweisen sie große Konsistenz. Ob Zeichnungen, Farb- oder Materialwahl: alles ist in
sich stimmig. Well done!
Jurymitglied, Joyce Thornton, Generation Now Editor, WGSN, London


Anerkennung European Fashion Award – FASH 2008
der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie
Pia Heise
„Im Nebel“
Diplom, Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design
500 Euro
Stoffgutschein im Wert von 500 Euro sowie 100 Euro Reisekostenzuschuss vom Textilverband
Schweiz
pi_ja@yahoo.de
www.burg-halle.de

Die Diplomarbeit „Die Künstlichkeit des zivilisierten Lebens“ hinterfragt unsere Wirtschaftsordnung und was wir bedürfen, um glücklich zu sein. Und zwar jenseits der von Medien und Werbung beeinflussten Vorstellungen. Es gilt also die Sinne zu schärfen, denn ein sozial- und umweltgerechtes Verhalten beginnt im Kopf. Und erst dann werden Maßnahmen ergriffen, die
tatsächlich den Menschen und der Umwelt zugute kommen. Eine Lösung zu diesem Thema zeigt die Damenkollektion „Im Nebel“. Sie wurde mit ausrangierten Bundeswehr-Fallschirmen sowie
gebrauchtem Leder und Pelz umgesetzt. Sie erhalten in der Kollektion ein zweites Leben.
Vorhandene Taschen, Aufsteppungen und Knopflöcher, Nähte und Bänder, Ringe und Leinen sowie Gebrauchsspuren werden als Gestaltungselement genutzt.

Jurybegründung
Die Kollektion „Im Nebel“ von Pia Heise lässt eher an Kunstwerke denn an Recyclingmode
denken. Sie steht damit in der aktuellen Entwicklung der Annäherung des Designs an die Kunst.
Die entworfene Kollektion ist stark und eigenständig.
Jurymitglied Susanne Fischer, Head of Marketing and Communications – ispo Group, Messe
München, GmbH


Anerkennung European Fashion Award – FASH 2008
der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie
Pia Niewöhner
„Uni(Form)“
8. Semester, Hochschule für Künste Bremen
500 Euro
Stoffgutschein im Wert von 500 Euro sowie 100 Euro Reisekostenzuschuss vom Textilverband
Schweiz
pia.nie@web.dea
www.hfk-bremen.de

Die uni-sex Kollektion „Uni(Form) Applike und Mechanismen des Gelsenkirchener Barock“ spielt
mit der Alltagskultur des Ruhrgebiet. Hier entstand das Klischee vom „Gelsenkirchener Barock“.
Der Begriff prägt und persifliert seit Anfang der 1930er Jahre das Phänomen der wilhelminischen Riesenmöbel in kleinen Arbeiterwohnungen. Und doch hat sich hier – wo nach einem Tag im Bergbau alle Arbeiter gleich schwarz, gleich „uni(Form)“ sind – an übersättigten Leibern eine Ästhetik herausgebildet: Proleten und Assis, Feinripp und Jogginghose, Unisize und 5er pack, Kik und Tack. Der Entwurf beschränkt sich folglich auf eine (Über)Größe mit einer zweidimensionalen
Formensprache. Gardinenbänder regulieren die Größe und sind verbindendes Element. Die Materialien stammen aus Geschäften wie „Monis Stoffparadies“, wo der Meter zwei Euro kostet.
Aufgedruckte „Applikationen“ wie Taschen sind eine Parodie auf die Markenfixierung – dem Traum nach einem bessern Leben.

Jurybegründung
Designforschung findet nicht nur auf dem Papier, sondern - wie in anderen Disziplinen – auch
praktisch statt. Pia Niewöhner ist mit ihrer Arbeit einen sehr eigenständigen Weg gegangen. Gerade in einer Zeit wo es fast nur noch um ein mehr vom selben geht, ist dies hoch zu loben. Trotz der Erforschung einer Ästhetik die gemeinhin als geschmacklos gilt, entstand eine starke Kollektion mit klaren Silhouetten und Proportionen. Sie ist in sich stimmig und funktioniert. Die Beschränkung auf nur eine Größe für beide Geschlechter ist eine Antwort für eine
umweltgerechtere Mode.
Jurymitglied Marcel Herrig, Unicut Design Limited, ShenZen, China


Sonderpreis Modetheorie European Fashion Award – FASH 2008
der Stiftung der Deutschen Bekleidungsindustrie
Otto von Busch
„Dale Sko Hack“
Doktorand, Göteborg University
500 Euro
otto@kulturservern.se
www.selfpassage.org
www.gu.se

Das Projekt „Dale Sko Hack“ möchte das Verständnis dessen wie Mode entsteht neu formulieren – jenseits von „Fair Fashion“. Denn Öko-Mode ist ein unauflösbarer Widerspruch in sich selbst. Es gilt vielmehr Design und Mode (als wichtige Stifter von Identität und großer wirtschaftlicher Bedeutung) zu erneuern, indem ihre Strukturen aufgebrochen und neu justiert werden, ohne dabei jedoch deren Kraft zu verlieren! In dem die Arbeiter mit ihren Fähigkeiten und ihrer Handwerkskunst nicht nur als Ausführende, sondern als Mitgestalter eingebunden werden, mutiert
der Basisentwurf, so dass jedes Produkt einzigartig wird. Dies erfordert ein neues Verständnis von
Design, als auch von Design Management. Das Projekt wurde in der „Dale Sko“ Fabrik in Norwegen zusammen mit sechs Modedesignern aus Norwegen durchgeführt.

Jurybegründung
Otto von Busch macht etwas, was nur selten in der Mode passiert: er reflektiert und zeigt Lösungsansätze auf. Er stellt in seiner Arbeit das gesamte Modesystem in Frage. Nicht um es zu negieren, sondern um es zu erneuern. Vor allem: Er stellt die richtigen Fragen. Dies ist schwierig, weil man nicht nur das System detailliert kennen muss, es braucht auch eine ausgeprägte Wahrnehmungs- und Interpretationskompetenz. Hierauf beruht die Güte eines Gestalters. Und es ist entscheidend für die Zukunft. Denn zu oft wird in der hektischen Welt der Mode an irrelevanten Problemen zwar nach allen Regeln der Kunst gearbeitet, aber eben am Ende nichts bewegt. Seine Arbeit ist auch hoch zu loben, da Promotionen - in deren Rahmen das ausgezeichnete Projekt entstanden ist – im Bereich Modetheorie sehr selten sind. Dabei ist es entscheidend, dass die Reflexion aus der Mode selbst kommt und die Deutungshoheit nicht anderen Disziplinen überlassen wird.
Jurymitglied Joachim Schirrmacher, Büro für strategische Kommunikation, Hamburg
 


 
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